PMR - merkwürdige Reichweiten-Unterschiede

  • Hallo!

    Der Bekannte steht auf dem Standpunkt, dass bei einem BlackOut niemand mehr nach der Legalität von Funkaussendungen fragen wird – erst Recht nicht, wenn damit nützliche Kommunikation geführt wird. – OK, das ist Ansichtssache.

    Nun, in besonderen Situationen - also extreme Naturkatastrophen wie die Hochwassersituationen in diesem Jahr, oder eben auch großflächigen Blackout's oder Erdbeben wo die Kommunikationsnetze reihenweise zusammenbrechen - da sehe ich das genauso.

    Allerdings nicht mit solchen Chinaböllern wie Baofeng oder Retrevis!

    Denn viele dieser Dinger senden unzulässige Störungen aus welche zahlreiche andere Funkanwendungen massiv stören können - sondern mit wertigen Geräten!

    Inzwischen ist er aber mit der Sache weiter gekommen: Beide Baofeng-Geräte sind offensichtlich von Anfang an defekt gewesen, denn egal ob auf dem 2m-Band oder dem 70cm-Band sowie egal ob mit der mitgelieferten kurzen Antenne oder der langen Retevis... die Reichweite betrug immer nur ca. 300 bis 500 Meter, wenn ein bis zwei Häuser dazwischen waren.

    Dir und deinem Freund sind offenbar die grundlegensten Kentnisse der Funktechnik unbekannt. "Lange Antennen" und "Kurze Antennen" zu solchen Chinaböllern kann man eigentlich nur wechschmeißen, genauso wie die Chinaböller selbst.


    Die Länge einer Antenne hat nichts mit Reichweite zu tun, sondern mit Ihrer Resonanz, welche ja zur gewünschten Frequenz passen sollen.

    Heißt im 2m Band beispielsweise: Eine AFU-Antenne für 144-146MHz taugt kaum noch für 149MHz und schon mal gar nicht für 165-174MHz.

    Solche Antennen sollten als gestreckter Strahler etwa 40-50cm lang sein, aufgewickelt zu einer Wendelantenne entsprechend kürzer.

    Eine 70cm Antenne wäre als gestreckert Strahler etwa 17-18cm lang, aufgewickelt ebenso entsprechend kürzer.

    Ist eine 70cm Antenne doppelt so lang, also etwa 35cm, deutet das auf einen endgespeißten Halbwellenstrahler hin in dem ein LC-Match im Fuß eingebaut ist. Sowas ist dann deutlich schmalbandiger und kaum durchgängig von 400-470MHz nutzbar.


    Ich selber hatte hier auch mal einen Chinaböller vom Type MD-380 VHF.

    Auch hier zwei Antennen: Eine kurze ca. 10cm und eine fast 30cm lange, angeblich beide für VHF.

    Also beide Antennen mal an meinem Antennenanalyzer gehängt.

    Ergebnis: die kurze war brauchbar für 147MHz +-2MHz und die längere entpuppte sich als Radioantenne für knapp 90-110MHz.

    Um so bedenklicher das Erlebniss das ein Kollege der eine MD-380 UHF kaufte, exakt die selben Antennen dazu bekam.


    Meine Antennen verschwanden ganz schnell in der "undefinierte Antennen-Kiste" während ich die MD-380 VHF mit anständigen, zum Teil mit einer Teleskopanne weiter nutzte.

    Seit dem ich eine Alinco MD5 habe, ist die MD-380 selbst nun auch entsorgt.

    Vor allem hat die MD5 eine Originalantenne die tatsächlich etwa 145-165 und 410-470MHz brauchbar funktioniert.


    Merke:

    Bei Handfunkgeräten die Originalantenne nutzen zu können, braucht mindestens Geräte die von AFU-Markenfirmen produziert oder (wie das MD5) modifiziert und mit eigenem Zubehör ausgestattet wurden.

    Das Grundmodell der MD5 ist ein Chinaböller von Anytone, wo Alinco jedoch den Cleartone-Codec gegen einen echten AMBE+ Codec ausgetauscht hat, eigene Firmware, sowie höchst warscheinlich auch im HF-Bereich was modifiziert hat.

    Ebenso packen die eine Antenne bei die tatsächlich anständige 50-Ohm Resonantzpunkte auf 2m und 70cm hat.


    Grüße


    Jürgen