Hallo, ich habe mich hier registriert, um mich auch einmal zu dem Thema zu äußern.
1992 begann ich meine Lehre als Metallbauer in einem Industriebetrieb, der über ein bis heute kleines eigenes, nicht elektrifiziertes Schienenstreckennetz verfügt. Nach meiner Ausbildung und weiteren drei Jahren als Geselle entschied ich mich in diesem Betrieb für eine Weiterbildung zum Lokführer. Seit mittlerweile 2019 bin ich in der Leitstelle bzw. in unserem kleinen Stellwerk tätig.
Die Lok- und Funktechnik hier scheint irgendwie Mitte der 90er Jahre stecken geblieben zu sein.
Unsere drei analogen Funkkanäle haben immer noch Bestand und sind weiterhin in Betrieb. Sogar mit ein paar Besonderheiten!
Im Stellwerk habe ich zwei Funkbedienpulte.
Pult 1: Bosch Bto56 angeschlossen an das Bosch KF-168 für den Hauptkanal auf der Frequenz 149,87 MHz. Als Antenne dient bis dato die übliche Kathrein-Groundplane, angebracht an einem Ausleger ganz links oben am Mast. 5-Ton Selektivruf 7353(X). Die Ziffern haben eine recht lustige Bewandtnis, auf die damals der Funktechniker kam. Unsere vier Loks haben den Spitznamen Lasten-Esel. Liest man die Ziffern kopfüber, entsteht das Wort Esel. Das Bto56 selbst kann nicht mittels Selektivruf gerufen werden. Es wird völlig offen betrieben. Lediglich durch das Drücken der Lautsprecher-Löschtaste, wird das Gerät für 60 Sekunden stummgeschaltet, falls man mal Telefon hat.
In den Dieselloks selbst befinden sich als fest verbaute 2-Meter-Funkgeräte verschiedene Typen, die nur auf den Hauptkanal programmiert bzw. bequarzt sind. Lautsprecher-Löschtaste in den Lokfunkgeräten, so lange geschlossen (wenn man sie betätigt), bis sie gerufen werden. Jede Lok kann vom Bto56 einzeln, oder alle gemeinsamen mittels Sammelruf, gerufen werden. Wird der Sammelruf ausgelöst, ertönt ein langer Warnton. Auch die Loks selber können einen Sammelruf auslösen, oder die Loks einzeln rufen. Bewandtnis des Sammelrufs und der damit zusammenhängende lange Warnton: Betriebsstörung/Gefahr!
Zusätzlich befindet sich auf jeder Lokomotive ein Handfunkgerät, programmiert auf zwei Kanäle. Haupt- und Nebenkanal. Zum Nebenkanal später mehr. Vorab nur so viel, für den Nebenkanal befindet sich im Stellwerk lediglich auch nur ein Handfunkgerät, welches meist ausgeschaltet ist, weil es für die Leitstelle kaum von Relevanz ist. Wird dann bei Bedarf eingeschaltet. Der Haupt- und Nebenkanal ist bei den HFGs komplett "offen", kein Selektivruf.
Lok/Esel01: Bosch Kf166
Lok/Esel02: Motorola Raduis GM950
Lok/Esel03: Ascom SE-155
Lok/Esel04: Bosch Kf164
Handfunkgeräte verschiedenster Typen, die gerne mal die Lok wechseln.
Pult 2: Bosch Bto51 (ohne Mikrofon) angeschlossen an das Bosch Kf453 für den Bü-Kanal (Bahnübergang) auf der Frequenz 456,21 MHz. Als Antenne dient bis dato der mittlerweile seltene Kathrein-Sperrtop Typ: K 75 26 2, angebracht an einem kurzem Ausleger an der Außenfassade des Stellwerks. Wird mittels Rufton-Taste 1 geöffnet und Ruf 2 schließt ihn. Die beiden 5-Ton Folgetöne nenne ich hier absichtlich nicht.
Der einzige Bü übrigens! Keine 100 Meter vom Stellwerk weg und gut einsehbar. Zufahrt zum Werk für die LKWs. Auf beiden Seiten des Bü befindet sich ein Fernsprecher. Sobald der Handapparat abgenommen wird, klingelt im Stellwerk ein internes Telefon. Müssen die Lkw-Fahrer leider immer für aussteigen. Der Bü wird nämlich nur auf Anruf geöffnet und nach der Durchfahrt des LKWs wieder geschlossen.
Der Nebenkanal (nur HFGs - auch verschiedenster Typen): Dieser dient für den Sprechfunk innerhalb des Werks und auch beim Beladen der Züge, mittels Stabler oder Kran. Deshalb besitzen die vier Loks auch die oben erwähnten Handfunkgeräte mit dem zusätzlichen Nebenkanal. Frequenz 150,99 MHz ohne Selektivruf. Die Werks-HFGs selbst besitzen nur den Nebenkanal!
Noch eine Besonderheit: Die Werkstatt der Züge hat einen Werkstatt-Wagen (Sprinter - erster Generation, der gehegt und gepflegt wird). Dieser ist auch mit einem Funkgerät (Bosch MR 1116) ausgerüstet, welches über Haupt- und Nebenkanal verfügt und auf beiden Kanälen Selektiv-Ruf besitzt. Macht natürlich auf dem Nebenkanal keinen Sinn, ist aber so programmiert worden. 5-Ton-Auswerter: ESEL0.
Die Rundfunkantenne des Sprinters wurde damals durch einen Bosch KFA 142 EF Strahler getauscht. Etliche paar Jahre später aber durch einen Kathrein K 50 55 2 ersetzt. Diese lange 5/8 Peitsche ist bis heute vorne auf dem Dach.
So, jetzt habt ihr mal einen Einblick bekommen.
Falls Fragen, ich antworte gerne.
Gruß, Patrick.