Probleme, externes Mikrophon an Motorola MRT MTM800FuG anzuschließen

  • Servus und frohes Neues,

    ich wollte einem Motorola MTM800FuG (das komplett integrierte, OHNE absetzbarem Bedienteil) eine Tischsprechstelle verpassen, welche man über den hinteren, 26-poligen Zubehörstecker anschließen kann. Zur Verfügung steht mir neben einem Moeller-Taster für PTT, ein geschlossener Kopfhörer (Sony MDR-7506) sowie ein Monacor DMG-450 Mikrophon mit 600 Ohm. Genau bei letzterem liegt das Problem, da ich es ums Verrecken nicht zum Laufen kriege.

    Fangen wir mal beim Anfang an. Gemäß der Belegung von XLR habe ich die Mikrophonbuchse verlötet und beim Zubehörstecker des FuG an Pin 13 (Mic1/EXT_Mic 600 Ohm) und Pin 16 (GND_MIC) und nach fehlgeschlagenem Testlauf an Pin 15 (Mic2 2,2 kOhm) und Pin 16 (GND_MIC) angeschlossen. Beide Male gibt das Mikrophon!! (nicht der Lautsprecher) Knacklaute von sich, funktioniert dann aber nicht, wenn man hineinspricht (bzw. vor lauter Frust schreit). Also bin ich davon ausgegangen, dass das Mikrophon fehlerhaft (oder mittlerweile zerschossen) ist und habe es an der ELA (Philips SQ22 falls das was zur Sache tut) angeschlossen, wo es aber problemlos seinen Dienst verrichtet. Im dritten Versuch habe ich eine uralte Telefunken-Tischsprechstelle mit nicht mehr entzifferbarem Typenschild per angelötetem NATO-Stecker ans FuG angeschlossen. Funktioniert ohne Probleme. Das dort verbaute Mikrophon ist ein Peiker TM169 (200 Ohm). Angeblich sind aber wohl beide dynamische Mikrophone. Zuerst war ich ausgegangen, dass das Motorola eine Phantomspeisung o.ä. für Elektretkapseln zur Verfügung stellt, was das Knacken der Mikrophonkapsel erklären würde.
    Also habe ich im nächsten Schritt das Peiker ausgelötet und das Monacor mit etwas Draht auf die Lötstellen der Platine von der Tischsprechstelle gelötet. Meine Hoffnung war, dass auf der Platine das Signal evtl. verstärkt oder die Phantomspeisung gefiltert wird. Funktioniert wieder nicht. Also ging's weiter mit daumengroßen Einplatinenverstärkerchen, was aber schnell durch den Hinweis der Anleitung, dass keine Fremd- (hier Phantomspeisung) über den Output anliegen darf, mich wieder an den Anfang meiner Versuche brachte...

    Wo liegt mein Denkfehler oder wie kann ich das Mikrophon zum Laufen kriegen? Zu hochohmig sollte das Monacor nicht sein...
    An der Programmierung des FuG darf ich bis auf die voreingestellten Zubehör-Templates nichts ändern.


    Besten Dank schonmal im Voraus für jeden Tipp!

  • Hallo!

    Na, nimm doch mal ein Multimeter und gucke ob da am Mikrofoneingang des Funkgerätes eine Spannung anliegt, meist zwischen 3-9V wenn da kein Mikrofon dran hängt. Denn ein Knacken einer dynamischen Mikrofonkapsel deutet mämlich genau auf solch eine Spannung hin. Wenn du alo kein Elektret-Mikrofon da dranhängen willst, sondern unbedingt diese dynamische, braucht du einen Kondensator da zwischen, Sollten mehrere µF sein, so ab 4,7µF aufwärts.

    Jürgen

  • Hallo!

    Na, nimm doch mal ein Multimeter und gucke ob da am Mikrofoneingang des Funkgerätes eine Spannung anliegt, meist zwischen 3-9V wenn da kein Mikrofon dran hängt. Denn ein Knacken einer dynamischen Mikrofonkapsel deutet mämlich genau auf solch eine Spannung hin. Wenn du alo kein Elektret-Mikrofon da dranhängen willst, sondern unbedingt diese dynamische, braucht du einen Kondensator da zwischen, Sollten mehrere µF sein, so ab 4,7µF aufwärts.

    Jürgen

    Hi, danke für die Antwort. Werde ich morgen mal machen.

    Der Logik nach müsste der Kondensator in Reihe zum Mikrophon geschaltet werden. Gibt es eine Kondensatorart, die sich da besonders eignet? Habe nach Recherche Schaltpläne für Dynamische Mikros mit Elkos und mit Folienkondensatoren gesehen...

    Anbei ein Beispiel: https://www.epanorama.net/circuits/dyn2emic.gif

  • Moin!

    Also die Schaltung die du rausgesucht hast ist krude. Wenn von der Output-Seite Phantomspannung vom Funkgerät kommt, dann zieht er, aufgrund des 470k Basiswiderstandes über Q1 auf Masse. Saublöd! Und der Kondensator mit 220nF ist eine Lachnummer.

    Funktion des Kondensators ist es bei Anschluss eines dynamichen Mikrofones an einen Elektret-Eingang die Gleichspannung von der Kapsel fern zu halten. Denn das was du als "Knacken aus dem Mikrofon" hörst,, ist der Anschlag der Membran auf Maximalauslenkung solange die Phantomspannung anliegt. Und in dieser Stellung kann das Mikrofon nicht vernünftig arbeiten, die Membrane müsste sich dafür frei bewegen können.

    Der Kondensator wirkt also als Hochpass, genauer gesagt als RC-Hochpass im Pi-Schaltung, da beide Impedanzen (Mikrofon & Funkgeräteeingang) zu in deinem Fall etwa: 600 Ohm, Kondensator , 600Ohm. Bei 220nF hättest du viel zu viel Dämpfung über den kompletten Sprachbereich. Eher nimmt man dafür als absolutes Minnimum 3,3µF, eher 4,7µF oder gar 10-22µF.
    Denn je mehr Kapazität der Kondensator hat, um so tiefer liegt der -3dB-Punkt den man gerne möglichst weit richtung 200Hz oder 150Hz ziehen will. Denn bereits bei 300Hz wäre die Verständlichkeit nicht mehr gegeben.

    Die Kondensatorart ist beinahe egal. Aber wenn du nF vergisst und richtung µF gehst, dann mache bitte einen Bogen um SMD-MLCC in diesem Bereich. Denn all diese hoch-kapazitiven SMD-Keramik-Kondensatoren sind für deine Anwendung nicht geeignet. Was du eher braucht ist ein Elektrolytkondensator oder auch Tantal-Kondensator. Die Polung hierbei ist logisch: Plus-Pol Richtung Funkgerät, den Minuspol zum Mikrofon.

    Jürgen

  • So, ich habe mal nachgemessen und konnte am Motorola eine Vorspannung von etwa 3,2V nachweisen. Da ich die Tischsprechstelle optimalerweise auch für den 4m-Funk verwenden möchte, habe ich bei einem FuG 8b von Telefunken an den Pins H und F am Nato-Winkelstecker gemessen, wo ich jedoch keine Spannung messen konnte. Hier angeschlossen funktioniert allerdings das Monacor, wenn auch sehr leise.

    Also stehe ich jetzt vor der Herausforderung, eine Schaltung zu konzipieren, die für den 4m-Funk das Signal einfach verstärkt (am besten auf 10V ausgelegt) und für Tetra das dynamische Mikrophon nutzbar macht und ggfs. ebenfalls verstärkt. Über einen Nochenschalter mit Relais würde dann zwischen den beiden Funkgeräten umgeschaltet werden.

    Habe ich dich richtig verstanden, dass es theoretisch am besten ist, ausschließlich den Kondensator in Reihe zum Mikrophon zu verwenden, da die Schaltung ungeeignet ist?


    Besten Dank nochmal für die ausführliche Antwort!

  • Tja, also ein FuG8b oder allgemein BOS-Geräte mit NATU-Buchse brauchen einstellige mV vom Mikrofon. Das du an den Mikrofonkontakten keinerlei Spannung misst ist korrekt, denn die NATO-Buchse basiert auf dynamische Mikrofone,

    Wenn allerdings dein Mikrofon schon an dem FuG8b nur sehr leise ist wäre ich aufmerksam: Liegt es am Mikrofon, oder ist das in der FuG8b kaputt? Denn diese etwa 5mV Signalpegel sollte eigentlich jedes dynamische Mikrofon ganz ohne externen Verstärker schaffen.

    Verstärker:
    Prinzipiell kann ein Verstärker hier Sinn machen, denn die von den Funkgeräten benötigten Mikrofonpegel können weit auseinander liegen. So ist ein analoges BOS-Gerät FuG8/9 gewöhnlich mit 5-10mV zufrieden (NATO-Stecker) und modernere Geräte wie TETRA erwarten irgend was im zwei bis dreistellugen mV-Bereich, also so grob 20-180mV. Ein Verstärker wo man die Ausgangspegel feinfühlig genug zwischen grob 1mV - 200mV abgleichen kann würde also Sinn machen.

    Alleine:

    Habe ich dich richtig verstanden, dass es theoretisch am besten ist, ausschließlich den Kondensator in Reihe zum Mikrophon zu verwenden, da die Schaltung ungeeignet ist?

    zeigt mir das du im Elektronikbereich noch etwas unerfahren bist, was eine Verstärkerschaltung natürlich abenteuerlich werden lässt. Dennoch versuche ich es mal:

    Diskrete Verstärker, beispielsweise einstufige Transistorverstärker brauchen einen Transistor (für Mikrofonverstärkung z.B. BC550) und vier Widerstände die einerseits den Verstärkungsfaktor (hier z.B. 100) vorgeben, und andererseits als Basis-Spannungsteiler den Arbeitspunkt des Transistors im linearen Bereich halten. Für Ein- und Auskopplung des NF-Signals braucht es dann Kondensatoren:

    Arbeitspunkteinstellung mit Basis-Spannungsteiler (Emitterschaltung)

    Randbemerkung: Der Eingangs-Kondensator an der Basis kann genau der 10µF-Elko sein, den du für dynamische Kapseln eh bräuchtest. Die Berechnungen der richigen Widerstände sind aber durchaus etwas anspruchsvoller, weswegen solche Transistor-Verstärker eher etwas für erfahrene Elektroniker ist.

    Deutlich einfacher und effektiver für Anfänger sind solche Mikrofonverstärker mittels Operationsverstärker. Es gibt sie bis heute in gut lötbaren DIL-8 häufig schon als Doppel-OPV was für deine Anwendung optimal wäre. Denn damit hättest du schon zwei Verstärker die unabhängig voneinander das selbe Mikrofonsignal verstärken, aber eben mit unterschiedlichen Ausgangspegeln justierbar sind.

    Nichtinvertierender Verstärker (Operationsverstärker)

    Randbemerkung: Mit R2 = 100kohm und R1 = 1kohm kommst du auf etwa Faktor 100. Gibt dein Mikrofon also beispielsweise 1mV aus, macht der Verstärker darauf 100mV. Koppel-Kondensatoren, wie eben die empfohlenen 10µF machen auch hier sinn, wie immer wenn es um Audio-Signale geht.

    Jürgen