Bundeswehr will versuchsweise im TV-UHF-Band funken – Länder protestieren

    • Offizieller Beitrag
    Zitat

    Der Streit über die Frequenzen für DVB-T2 und Funkmikrofone spitzt sich zu. Der Regulierer hat der Armee Kanäle probeweise zugeteilt, was die Länder empört.

    Bundeswehr will versuchsweise im TV-UHF-Band funken – Länder protestieren
    Der Streit über die Frequenzen für DVB-T2 und Funkmikrofone spitzt sich zu. Der Regulierer hat der Armee Kanäle probeweise zugeteilt, was die Länder empört.
    www.heise.de
  • Nunja...

    der eigentliche Druck auf 470-790MHz und den dortigen Nutzern (Rundfunk und PMSE) kommt seit Jahren aus Richtung der Mobilfunkindustrie und Mobilfunknetzbetreiber.

    Denn das Problem bei Mobilfunk ist, das hohe Frequenzbänder (>2GHz) zwar massig Bandbreite und Highspeed bieten, allerdings nur sehr lokal aufgrund eher dürftiger Reichweite.

    Will man in die Fläche, also ein Großteil aller Funklöcher schließen die zwischen den regionalen Hotspots bestehen, braucht man deutlich niedrigere Frequenzen: 470-790MHz.

    Auf der anderen Seite wird die Notwendigkeit von terrestrischen Rundfunk im Zuge des technologischen Fortschritts hinterfragt.

    Denn es gibt offenbar Statistiken über welche Wege Bürger den Rundfunk beziehen. Und da sind Kabelfernsehen und Internetstreaming als auch Astra im Vergleich zu DVB-T schon zahlenmäßig eindeutig.

    Was aber bleibt, das weiß sowohl die Bundesnetzagentur als auch alle politischen Gremien in Europa und ITU: PMSE!

    Was ein durchschnittliches Open Air Festival angeht, braucht jedes einzelne grob 100-150 Frequenzen, ein großer Teil davon PMSE und nur ein kleinerer Teil Betriebsfunk.

    Größere Veranstaltungen, wie die letzte EM, oder jetzt gerade Olympiade braucht 1500-2500 Frequenzen.

    Ein immer größer werdender Bedarf von PMSE, aber auch drum herum was die Absicherung angeht.

    Der ganze Krempel der da neu aufgefahren wird, beispielsweise Drohnen und Drohnennabwehr braucht ja auch Frequenzen.

    Und eben 470-790MHz ist seit Jahren im Fadenkreuz genau dieser Gemengelage:

    Mobilfunk kämpft um diese Frequenzen, neue Drohnen- und Sicherheitssysteme kämpfen darum, und die PMSE-Anwender schreien schon seit Jahrzehnten das sie da weiter funken müssen.

    Das mit der Bundeswehr jetzt aktuell ist eher eine regionale Sache die gut mit DVB-T und wahrscheinlich auch mit PMSE gut koexistieren kann.

    Jürgen

  • Hallo!

    Es ist komplex aus den redaktionell vernebelten Inhalten heraus zu lesen was tatsächlich Sache ist.

    Nun scheint es um eine befristete Zuweisung auf Grundlage §97 TKG zu gehen.

    Und dort eben weniger um Erprobung innovativer Technologien, sonder schlicht Mehrbedarf an Frequenzen.

    Zuweisungen gem. §97 darf die BnetzA eigenmächtig entscheiden, auch ohne Einverständnis möglicher anderer Ministerien oder Organisationen. Und ebenso darf die BnetzA auch die Zuweisungsauflagen definieren.

    Und genau da wo es interessant wird, fängt der Datenschutz an.

    Regionale Bereiche? Nur terrestrisch oder auch Air to Ground? NiB-Klausel?

    Abseits der konkreten Ausgestaltung der Auflagen gibt es zudem ein gänzlich anderen Themenkomplex der mit rein spielen könnte:

    Alles was wir hier als militärische Frequenzbereiche kennen, unterhalb 87,5MHz sowie 138-144 & 225-400MHz ist nicht mehr in der Verfügungsgewalt der deutschen Bundeswehr. Wer dort funken will braucht eine Zuweisung von einer Zuweisungsstelle welche der NATO untersteht.

    Solange das mit der NATO gut klappt ist da auch kein Problem. Aber was wenn nicht? Stichwort Trump!

    Und was den Bereich PMSE angeht:

    Im Zweitfenster 1990 bis knapp 2018 war ich selber in diesem Bereich als Nutzer tätig und habe auch verschiedene Krisengespräche mit bekommen. Und innerhalb dieser Kreise war da schon längst bekannt und unstrittig:

    Hauptproblem bei der Arbeit mit PMSE war/ist die fehlende Frequenzagilität der massenhaft vorhandenen Geräte.

    Egal ob Sennheiser, AKG, Audio-Technica und etliche anderen teilten den UHF-Bereich in Teilbänder auf die kaum breiter als 30MHz waren. Schon 2010 kam aber mit Wisycom ein Hersteller auf den Markt der Geräte mit einer Schaltbandbreite von 470-890MHz abdeckte. Heute sind sie bei 470-1260MHz.

    Wer also im Kultursektor heute noch jammert um seine Frequenzen, hat offensichtlich die letzten 15 Jahre verschlafen.

    Jürgen

  • So, hab nochmal Google befragt.

    Zu diesem Thema gibt es reichlich "redaktionell mit Halbwissen gemixte" Grüze.

    Das mich sowas ankekst mag daran liegen das ich selber ein knappes Jahrzehnt im Journalismus tätig war.

    Jedefalls habe ich eine Studie gefunden die 2022 von Goldmedia und Fraunhofer im Gemeinschaftsauftrag BDBOS und Bundeswehr verfasst wurde.

    Und diese Studie liegt für google auffindbar ganz öffentlich zugänglich bei der Bundeswehr:

    https://www.bundeswehr.de/resource/blob/5534282/2061bdaff4e3686d991264c02455c8f1/studie-frequenz-data.pdf

    Da ist ziemlich genau und erstaunlich offenherzig beschrieben worum es bei der BW und UHF-TV geht.

    Nicht um Air to Ground (Flugfunk & Sat), sondern um terrestrischen Breitband-Datenfunk zur Vernetzung der bodengebundenen Einsatzmittel.

    Und zur Koexistens zu PMSE seht da eine schöne Umschreibung...

    "In Friedenszeiten eher im ländlichen Raum, Truppenübungsplätze - daher räumliche Entkopplung zu PMSE".

    Wobei die Studienschreiber allerdings den PMSE-Bereich zu schmal sehen.

    Dort wird behauptet das es um Funkmikrofone und IEM mit durchweg bis zu 50mW ginge.

    Ja, das ist die mit Abstand größte Massenanwendung, aber als ganzes stimmt das nicht so pauschal.

    PMSE umschließt auch Anwendungen im Bereich 470-690MHz die da mit seichten 30W ERP und teilweise auch >100W ERP unterwegs sind!

    Jürgen