Autodiebe manipulieren Funktechnik

  • Bielefeld (WB/hz). In Bielefeld verschwinden seit geraumer Zeit immer öfter neuwertige Luxuslimousinen bekannter deutscher Premiumhersteller wie BMW, Mercedes, Audi oder Porsche. Alle Autos haben eines gemeinsam – sie verfügen über das Keyless-Go-System, das schlüssellose Öffnen und Starten per Funksender.

    Erst am Mittwoch meldete die Polizei einen neuen Fall. Ein vor einem Wohnhaus an der Straße Niedermeiers Holz in Oldentrup geparktes SUV vom Typ BMW X6 wurde gestohlen. Polizeisprecher Michael Kötter: »Ein 47-jähriger Bielefelder bemerkte am Dienstagmorgen gegen 7.30 Uhr, dass sein grauer SUV nicht mehr vor dem Haus stand.« Das Auto Baujahr 2018 hat einen Zeitwert von um die 60.000 Euro.

    Die Kripo weiß, woher die Täter kommen und was sie können. Es handelt sich um Profis aus Osteuropa, die ihre Beutezüge gezielt und blitzschnell durchziehen. Um nicht vom GPS im gestohlenen Auto geortet zu werden, zerstören sie die Navigationsgeräte. Gefasst werden die Kriminellen selten. Prozesse wie vor dem Landgericht Köln, wo sich zu Jahresanfang fünf Polen wegen schweren Bandendiebstahls verantworten mussten, haben Seltenheitswert.


    »Sicherheitslücke bei Komfort-Schlüsseln erleichtert Dieben das Handwerk.«

    Der Bielefelder ADAC-Sprecher Ralf Collatz erklärt, warum Autoschlüssel mit Keyless-Go-Funksendern die Schwachstellen moderner Autos sind. Collatz: »Die Sicherheitslücke bei den Komfort-Schlüsseln erleichtert Dieben das Handwerk ungemein. Sie müssen sich nur mit einem kleinen Gerät in die Nähe des Autoschlüssels begeben – und mit einem zweiten Gerät vor die Autotür.« Schon würden die Reichweiten der Funksignale »verlängert« und das Auto lasse sich öffnen und starten. »Das geht auch dann, wenn der Schlüssel im Haus liegt oder der Besitzer mit Schlüssel in der Tasche im Biergarten sitzt«, sagt Collatz.

    Die Täter müssten nicht viel in kriminelle Technik investieren, um Luxuslimousinen zu stehlen. »Laut unseren Experten können die Funk-Empfängergeräte mit geringem Aufwand selbst gebaut werden. Die Bauteile im Wert von 100 Euro gibt es in jedem Elektronik-Laden«, erklärt der ADAC-Sprecher. Das Tückische am Trick: Sei der Automotor erst gestartet, bleibe er auch ohne Schlüssel meist so lange in Betrieb, wie Treibstoff im Tank sei. Wenn ein Dieb dann noch bei laufendem Motor nachtanke, könne er das gestohlene Fahrzeug problemlos über weite Strecken entführen.


    Betroffenen Autobesitzern droht Ärger mit ihren Kfz-Versicherungen

    Betroffenen Autobesitzern, deren Fahrzeuge eher zufällig von der Polizei wieder gefunden würden, drohe zudem Ärger mit ihren Kfz-Versicherungen. Diese unterstellten Betrugsabsicht, weil es an den teuren Limousinen und SUV weder Aufbruchs- noch sonstige Diebstahlsspuren gebe.

    Auch die Hausratversicherung zahlt nicht, wenn mit illegaler Funktechnik quasi spurenlos Autos geöffnet und Wertsachen daraus gestohlen werden. Darüber informiert die Deutsche Anwaltshotline und verweist auf ein entsprechendes Urteil des Amtsgerichtes in Frankfurt am Main.


    Quelle: https://www.westfalen-blatt.de…-manipulieren-Funktechnik